veröffentlicht am 21. Dezember 2018

Digitales Arbeiten im Eco-Working Space

Veganes Food Startup Mana zu Gast bei Armonía Tribe in Spanien. Über den Versuch einer Freundschaft von Technik und Natur.

Viele ökologische Projekte verteufeln die Digitalisierung und den technischen Fortschritt. Die Selbstversorgung wird in Sehnsucht einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft romantisiert und der technische Fortschritt muss als Dämon einer blutroten Computerwelt verteufelt werden. Es fällt uns ziemlich leicht, in schwarz-weiß Gegensätzen zu reden und platte Klischees ewig zu wiederholen. Kritisch die kontrastreichen Unterschiede zu beleuchten, um ein differenziertes Bild der Veränderung unserer Alltagswelt zu erhalten ist vielen vielleicht einfach zu kontrovers. Aber wem nutzt eine oberflächige Schwarzmalerei von realen Zukunftstrends innerhalb unserer Gesellschaft?

Science Fiction Dystopie oder Realität?

Die Digitalisierung verändert nicht nur die moderne Arbeitswelt. Neben agilem Management, Home Office, modernen Nomadentum und flachen Hierarchien erstreckt sich das digitale Zeitalter nicht erst jetzt auch in unsere sozialen Netzwerke, in unser Smarthome und eigentlich in fast alle Bereiche unseres Alltags. Der Trend geht Richtung Machine Learning, algorithmischer Erfassung unserer Benutzerdaten und der Automatisierung von so ziemlich allen mehr oder weniger mechanischen Prozessen für die kein Mensch gebraucht wird. Die Realität hat unsere damaligen Science-Fiction Vorstellungen längst überholt.

Partizipation als Lösung

Taubstumme Ökoinseln zu bauen, auf denen ein paar Idealisten ihre Augen vor globalen Megatrends verschließen und sich vor historischen Umwälzungen verbergen, kann vielleicht für den Einzelnen die individuelle Erlösung darstellen. Gesamtgesellschaftlich betrachtet ist diese Abgrenzung jedoch Teil einer intentionslosen Computer-Logik. Als Kind wurde mir, in der Hoffnung einer demokratischen Erziehung, immer wieder geflüstert “Wer nicht wählt, wählt die Falschen”. Also, warum abschotten und Parallelwelten erschaffen? 

Ohne unser Zutun wird die Digitalisierung ungesteuert Ressourcen verschlucken und Jobs vernichten, ohne dass der Normalbürger von einer optimierten Arbeitswelt profitieren kann. Wenn wir nicht mitmachen, dürfen wir auch nicht klagen. Wir müssen das Steuer in die Hand nehmen, um die Umkrempelung unserer Welt mitzugestalten und nicht nur teilnahmslos zusehen! Es gibt eine Menge digitales Potenzial und richtig gelenkt kann die Digitalisierung Freiraum für mehr menschliches, kreatives, gestalterisches Wirken ermöglichen. Kein Mensch wird seinen nine-to-five Bürojob vermissen, wenn Maschinen die lästigen Aufgaben an unseren Bildschirmen übernehmen. Niemand wird darüber klagen, dass soziale Tätigkeiten priorisiert werden, wenn bürokratische Prozesse digital optimiert wurden, so dass ein bedingungsloses Grundeinkommen für die breite Masse bereitgestellt werden kann. Am digitalen Wahnsinn ist längst nicht alles gut, aber wenn sich die paar Idealisten dieser Welt auch noch rausziehen, wird es nicht besser!

 

Technik oder Natur?

Die New Work Bewegung bietet eine revolutionäre Plattform für neue Perspektiven in der Arbeitswelt. Armonía Tribe möchte als offenherziges Projekt beispielhaft die Freundschaft von digitalen Pionieren und Öko-Idealisten vorantreiben. Wir möchten Coworker und digitale Nomaden willkommen heißen und gemeinsam an der Transformation einer überholten Arbeitsmoral herumtüfteln. Durch moderne Photovoltaikanlagen sind wir den ersten Schritt für eine nachhaltige out-of-office Erfahrung gegangen. Off-Grid im Herzen der Natur verbindet der kleine Bach auf dem Armonía-Grundstück die andalusischen Berge mit dem Mittelmeer. Durch unser Funkinternet, minimalistische Schreibtische und Solarstrom sind die Grundvoraussetzungen geschaffen, so dass digitales Arbeiten mitten in der Natur ermöglicht wird.

 

Eco-Working als Schritt in die richtige Richtung

Unser erster Gast im sogenannten Eco-Working Space war das Team von Mana. Der hannoversche Entrepreneur-Star Ricardo Ferrer Rivero ermöglichte als CEO der Heaven Labs DACH GmbH den deutschen Mitarbeitern drei Wochen zwischen Palmen und Obstbäumen. Gemeinsam mit anderen Volunteers wurde der Eco-Working Space geschaffen, verlegt, optimiert, verflucht und geliebt. Ohne feste Wände und neben frisch gepflanzten Bäumen arbeitete das digitale Food Startup an der Vermarktung ihrer veganen Flüssignahrung. Das Getränk stellt als Mahlzeitenersatz eine Alternative zu herkömmlichen Fast Food dar und antwortet auf den beschleunigte Alltag unserer Effizienz Gesellschaft mit einem funktionalem ready-to-drink Shake.

 

Mana meets Armonía Tribe

“Zu Hause” im hannoveranischen Coworking Space hafven wird die geteilte Bürofläche mit Ökostrom betrieben. Zudem ist Mana komplett vegan und bezieht seine Zutaten aus Quellen pflanzlichen Ursprungs. Nachhaltigkeit wird thematisiert, Ökologie und Ökonomie werden versucht gegeneinander abzuwägen. Interne Prozesse wie Fragen nach Plastiklöffeln oder Verpackungsmaterialien werden kritisch diskutiert und kontrovers beleuchtet. Mana versucht so, seinen Beitrag zur Gestaltung der Digitalisierung voranzutreiben und setzt auf flache Hierarchien und Gruppenaktivitäten wie Yoga oder Teambuilding bei Armonía. Von Seiten einer Selbstoptimierung durch Zeit- und Geldersparnis gesehen, ersetzt die Flüssignahrung von Mana den McDonalds Besuch mit einem Produkt, welches bewusst nach Alternativen sucht ohne zu Verleugnen das Fastfood für viele die notwendige Antwort auf das gestresste System ist. Bei Mana versucht das Team somit die menschlichen Ernährungsgewohnheiten positiv zu verändern und bewusst auf tierische Proteine zu verzichten oder statt Fischöl ein alternatives Mikroalgenöl zu benutzen. Bei Armonía haben wir mit der geometrischen Permakultur einen anderen Lösungsansatz gewählt, um Ernährung nachhaltiger zu machen. Jedoch teilen wir mit Mana das gleiche Ziel einer verbesserten Nahrungssituation und die Suche nach einer globalen Lösung für die Lebensmittelkrise dieser Erde. Wir finden, dass wir beide Wege brauchen und zusammen für eine bessere Zukunft arbeiten sollten.

 

Teambuilding in der Wildnis

Wenn ein ganzes Startup zusammen drei Wochen in der Natur arbeitet, Kräuter aus dem Permakulturgarten für das Abendessen pflückt und unter einem Zitronenbaum die Outdoor-Dusche nur mit Naturkosmetik benutzen darf, findet ganz natürlich etwas statt, wofür große Unternehmen Vermögen investieren: Aus anonymen Mitarbeitern werden Teammitglieder. Das Team fängt an nachhaltiger zu denken und Themen wie Logistik, Nahrungsmittelproduktion oder Marketing aus einer neuen Perspektive zu sehen. Der Retreat bietet ein Kontrastprogramm zum Pauschalurlaub und ermöglicht die gemeinnützige Teilhabe an sozialen Projekten, Kreativität wird gefördert und die Aufhebung von Alltagsgewohnheiten ermöglicht neue Denkmuster. 

 

Unser erster Printartikel

Was wir uns erhofft haben, wurde Realität. Durch die digitale Öffnung des Projekts wurde die Presse auf uns aufmerksam. In der Regel verschließen sich Ökodörfer der digitalen Welt und grenzen sich bewusst ab. Höchstens ein „offline-Retreat“ oder „digital-Detox“ wird angeboten. Was bleibt ist eine kurze Auszeit und die darauffolgende Rückkehr in die digitale Normalität. Durch die Vereinigung von Armonía und der digitalen Arbeitswelt konnten wir diese Trennung überwinden und Akteure beider Seiten an den gleichen Schreibtisch und in den selben Garten setzen. Der Redaktion von t3n gefiel diese Idee. Das “Magazin für digitales Business” schickte die humorvolle Journalisitin Melanie Petersen.

 

Mit dem Laptop in der Pampa

Melanie hat ihre Erfahrungen bei Armonía im t3n-Magazin Nr. 54 festgehalten. Einen Ausschnitt aus der Geschichte von t3n, Mana und Armonía könnt ihr hier lesen. In der lohnenswerten Printausgabe des “Magazins für digitale Pioniere” mit dem Motto “Digitalisierung: Was kommt danach?” werden 5 Zukunftsvisionen für das 21. Jahrhundert vorgestellt und Melanie berichtet, wie sie das Leben und die Arbeit auf der Farm organisiert hat. Wir freuen uns, dass somit das Thema der Versöhnung von Natur und Technik mediale Aufmerksamkeit bekommen hat, so dass wir gemeinsam positiv die Zukunft gestalten lernen.

 

Dieser Artikel wurde verfasst von Jannis am 21.12.2018 in Klein Süntel.

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