veröffentlicht am 16. oktober 2018

Was ist geometrische Permakultur? Und warum diese Permakultur die Zukunft der Landwirtschaft ist.

Bei Armonia Spanien legen wir zurzeit einen geometrischen Permakulturgarten an. Wir haben bisher 34 Bäume gepflanzt auf unserem Weg einen einzigartigen Food Forest zu erschaffen. Was das bedeutet und warum wir das machen, erfahrt ihr hier in diesem Artikel.

Zuallererst sind wir keine Wissenschaftler, Biologen, Gartenbau–Experten oder ähnliches. Wir sind einfach nur Menschen wie auch du und experimentieren. Wir selbst sind interessiert an der Aufforstung, Renaturalisierung und Anbau von unbehandelter echter Nahrung. Wir möchten nicht nur die Welt mit grünen Wäldern aufforsten, sondern dabei auch Nahrung produzieren und die Pflanzen kennenlernen. Das alles ist mit der geometrischen Permakultur möglich. Doch was ist die geometrische Permakultur?

„Die Permakultur ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt.“
Wikipedia

Die Permakultur ist ein etwas anderes Modell als die Monokultur in der eine beliebige Feldgröße mit Maschinen gepflügt, lediglich eine Art Pflanzensamen ausgestreut, gedüngt, gespritzt und geernet wird. So stellen wir einen Großteil der Nahrung heutzutage her neben all den Kleinbauern in vielen Teilen der Welt, die immer noch von Menschenhand oder mithilfe von Tieren die Felder bestellen.

In der Permakultur hingegen wird versucht ein selbstständiges Ökosystem mit großer Artenvielfalt aufzubauen, welches im natürlichen Kreislauf funktioniert. Sinnbildlich steht man also in der Permakultur nicht nach der Ernte auf einem kahlen Acker, sondern man erschafft ein florierenden Garten, der permanent lebt und produziert. Die Artenvielfalt und die Fruchtbarkeit der Erde wird immer weiter verbessert und aufgewertet mit den voranschreitenden Jahren. Ganz im Gegensatz zur Monokultur, in der die Böden nach einigen Jahren auch mal brach liegen um sich von der Massenproduktion zu regenerieren. Meist reicht dem Boden die Regeneration nicht aus. Die Permakultur löst also schon einige Probleme der Monokultur. Aber auch die Permakultur hat Ihre „Nachteile“, denn die Menschenhand ist gefragt. Große Maschinen sind meist unüblich für die Permakultur. Was die geometrische Permakultur von herkömmlicher Permakultur unterscheidet ist die Grundstruktur und Anordnung der Pflanzen. Sie ergänzt sie um eine grundlegende Ordnung. Die verschiedenen Pflanzenarten werden vereint in eine Komposition, in eine Harmonie.

Die Grundstruktur ist unendlich erweiterbar. Jeder Kreis hat einen Radius von 3,5m. Das innenliegende Hexagon hat einen Durchmesser von 7m.

Die geometrische Permakultur ist eine zusammenhängende natürliche Gartenbaumethode, die auf die Bienenwabenstruktur aufbaut. In jedem Kreis gibt es vordefinierte Beete für bestimmte Pflanzengruppen, sodass sich die Pflanzen gegenseitig schützen, helfen und austauschen. Ähnlich wie in einer dynamischen und unterstützenden Netzwerk von Beziehungen.

Interkonnektivität des Musters imitiert von der Natur

Wir beachten bewusst die Interkonnektivität der Natur. Deswegen imitieren wir das natürliche Wachstumsverhalten von Bäumen in manchen Wäldern. Es kann dort beobachtet werden, dass Bäume sich in einem bestimmten Abstand zu einander etablieren. Für unsere Obstbäume pflanzen wir 6 kleinere Bäume in ein Hexagon im jeweiligen Abstand von 3,5m zueinander. Pflanzen wir Bäume, die wesentlich größer werden, tun wir das im Dreieck mit Abstand von 7m. Das Netzwerk des Permakultur kann beliebig vergrößert werden und organisch wachsen. Die Bäume spenden Schatten für die Sträucher, diese wiederum dem Gemüse. Ein System was in sich geschlossen ist und sich ergänzt. Es gibt vordefinierte Orte für verschiedene Pflanzengruppen. Dies erklären wir nun im Aufbau der geometrischen Permakultur.

Der Aufbau der geometrischen Permakultur

Ein Beispiel wie sechs Bäume im Kreis gepflanzt werden können. In der Mitte bilden alle gefundenen Steine und Mineralien ein deutliches Zentrum.

Den Bereich wo ein Kreis auf den jeweils nächsten Kreis trifft, nennen wir wegen des Aussehens "Auge". Dort pflanzen wir in einem kleinen Kreis Blumen, sodass wir eine bunte Iris wie im Auge imitieren. Dieser Ort ist essentiell für Bienen. Im Inneren des Auges, sozusagen in der Pupille, ziehen wir Sprossen und Kleinpflanzen zum Aussähen.

Bildet man ein aufrechtes Dreieck innerhalb des Hexagons findet man die drei Orte für Mikroteiche. Sie sind kleine Wasserreservoirs für Baumarten, die besonders viel Wasser benötigen.

Bildet man das herabzeigende Dreieck innerhalb des Hexagons findet man drei Orte für Mikrokompost. Es gibt also drei Bäume in einem Kreis, die eher mehr Dünger in Form von Kompost benötigen.

Dieser Bereich ist vorbehalten für den Anbau von Gemüse wie Kürbis, Gurken, Paprika, Tomate und weitere. Man kann dort auch Wurzelgemüse wie Kartoffeln anpflanzen. Genauso kann man Sträucher wie Himbeeren oder Blaubeeren oder kleine Gräser und Palmen wie Papaya oder Banane anpflanzen.

Der Bereich um den Stern sollte Kräuter enthalten, die ätherische Öle enthalten, denn diese Pflanzen schützen den inneren Stern vor gewissen Insekten. Also kein Gebrauch von Pestiziden erforderlich. Dazu hat man dann leckere Kräuter für die Küche wie Rosmarin, Thymian und Minze.

Anstatt umzupflügen fügen wir immer mehr Biomaterial und Kompost auf unsere Sternfläche hinzu. So kann auch ein trockener Boden zu einem sehr nährreichen Boden aufgewertet werden. Die Feuchtigkeit kann so besser gespeichert werden und kann so auch Dürrephasen überstehen. Wir nennen das dann Brust der Erde. Denn sie versorgt uns wie die Mutter mit wertvoller Nahrung.

Warum machen wir das? Die Vision vom Leben in der Natur.

Der Grund wieso wir das überhaupt machen ist einen Ort des Lebens zu erschaffen. Wir wollen dort leben, wo das Leben stattfindet. Nein, ich spreche nicht von dem angesagtesten Viertel in der nächsten Großstadt. Ich spreche von einem Wald in dem man sich und seine Umgebung neu kennenlernen kann. Wir verwirklichen unseren Traum vom Garten Eden, indem man zwischen den fruchttragenden Bäumen in natürlichen Gebäuden wie Tipis und Domes lebt. Es ist das echte Leben in der Natur und mit der Natur. Ein inklusiver Lebensstil statt wie in der Zivilisation, wo ein exklusiver Lebensstil als sehr luxuriös und wohlhabend empfunden wird. Für uns ist der Luxus mit der Natur verbunden zu sein. Früchte und Gemüse von den umliegenden Pflanzen essen, das Feuer der Sonne spüren, im Wasser des nahen Flusses zu baden und saubere Luft zu atmen. Ein inklusiver Lebensstil findet bereits in unserem geometrischen Permakulturgarten statt und du bist herzlich willkommen uns zu unterstützen diesen Ort zu erschaffen. Denn dieser Ort ist für alle da, die so eine Erfahrung machen möchten.

Permakultur als Modell für die Zukunft

Selbst von Hand einen Garten großzuziehen mag altmodisch klingen, ist aber ein potentieller und lehrreicher Ort für Menschen, die neben Stadtleben und Strandurlaub authentische Erfahrungen sammeln möchten. Und an einem Projekt teilnehmen möchten, das echten Einfluss auf unsere Mitwelt hat. Mit der Arbeit im Garten macht man sich die Hände schmutzig, gräbt in der Erde, bewegt etwas, baut etwas, zieht etwas heran und am Ende trägt die Arbeit echte Früchte, die man essen kann. Eine Erfahrung, die wir in unserer modernen technologischen Welt vermissen. Diese Erfahrung verhilft uns allerdings zu mehr Gleichgewicht und Bewusstsein im Alltag. Sie gibt uns das Wissen wo die Dinge herkommen, wie Pflanzen wachsen und was sie benötigen. Das kann unser Leben verändern.

Juli 2017
September 2018

Das große Experiment

Wir haben dieses ganzheitliche Permakultur–System in Beobachtung der Natur erarbeitet. Auf unserem Land in Spanien haben wir bereits alles nach diesem Prinzip vermessen und haben nun circa hundert Kreise. In den nächsten Jahren können wir herausfinden, ob die Pflanzen so wassereffizienter werden, durch die einzigartige Artenvielfalt besser wachsen und vor Insektenbefall geschützt sind.

Auf der Karte sieht man das Ergebnis der Vermessung unseres Landes. Die grünen Kreise sind die bereits bepflanzte Bienenwaben. Insgesamt sind nur durch diese kleinen Fläche der Wiederaufforstung schon 34 Bäume gepflanzt worden. Biodiversität ist uns sehr wichtig, so haben wir nun schon viele verschieden Bäume gepflanzt wie Mandel, Kaki, Feige, Granatapfel, Kiwi, Pfirsich, Nektarine, Nispero, Cherimoyas, Pflaumen, Quitten, Banane, Papaya, Avocado, Dattel, Mango, Pekan, Moringa, Maulbeere, Zitrone und Orange. Wie man sieht könnte das ein wahrer Garten Eden werden.

Wir freuen uns auf die Zukunft, wo wir noch näher erproben dürfen wie unser Food Forest heranwächst und durften auch schon nach nur knapp neun Monaten die ersten Früchte unserer Arbeit probieren. So kamen wir schon in den Genuss einiger Nisperos, Cherimoyas, Weintrauben, Feigen, Wassermelonen, Kakis, Salat, Auberginen, Gurken, Chilis, Bohnen und Kichererbsen. Es wird eine spannende Reise. Wir berichten euch erneut von dem nächsten Schritt in unserem geometrischen Permakulturgarten. Wir planen schon bald wesentlich mehr Bäume zu pflanzen.

Dieser Artikel wurde verfasst von Vana am 16.10.2018 in Andalusien.

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